Broken Windows Theorie

Wie sich negative Gewohnheiten gegenseitig vermehren.

Die Broken-Windows-Theorie ist eine sozialwissenschaftliche Theorie von James Q. Wilson und George L. Kelling, die aussagt, dass in Stadtteilen, in denen man Verfall deutlich sieht, mehr Kriminalität herrscht. Nach dieser Theorie sollte eine zerbrochene Fensterscheibe so rasch wie möglich ersetzt werden, um weitere zerbrochene Fensterscheiben zu verhindern.

Die Theorie wurde vor allem im New York der 90er Jahre berühmt, als es der Polizei und dem damaligen Bürgermeister Giuliani gelang, die zu der Zeit sehr hohe Mordrate auf ein Fünftel zu senken. Die Maßnahmen waren unter anderem, dass sämtliche Graffiti an den U-Bahnen innerhalb von 24 Stunden entfernt wurden, um keine Nachahmer zu provozieren.

„Das ist schön, aber was hat das mit mir zu tun?“, denkst du dir vielleicht. Bleib noch kurz dran, ich komme gleich dazu.

Zerbrochene Fensterscheiben ziehen also weitere zerbrochene Fensterscheiben an.

Marie Kondo

Wenn du in den letzten Wochen auf Social Media oder Netflix aktiv warst, ist dir vermutlich Marie Kondo aufgefallen. Vielleicht kennst du sogar ihr Buch „Magic Cleaning“. Ihre Theorie ist, dass Dinge immer direkt nach ihrem Gebrauch an ihren bestimmten Platz zurück geräumt werden müssen. Das ist im eigenen Haushalt leicht überprüfbar. Ist dir auch schon mal aufgefallen, wie sich Unordnung immer sehr rasch vermehrt? Sobald irgendwo ein herrenloses Kleidungsstück herum liegt, legt man ganz automatisch weitere dazu. Sobald auf meinem Schreibtisch nur ein einziger gerade nicht gebrauchter Zettel liegt, lege ich dort weitere gerade nicht benötigte Schriftstücke drauf. Nach 3-4 Tagen habe ich einen undurchdringlichen Stapel Bürokratie vor mir, den ich am liebsten gar nicht mehr angreifen möchte.

Zerbrochene Fensterscheiben überall – sozusagen.

Jetzt kommt die Überleitung, auf die du gewartet hast

Ähnliches passiert auch mit unseren Gewohnheiten. Wie lange funktionieren Ernährungsumstellungen, Diäten usw. im Normalfall? Genau bis zur ersten Ausnahme. Meistens schleicht sich dann ein Gedanke ein, der die ganzen guten Vorsätze zum Kippen bringt. Erst denkst du dir: „Eine Ausnahme kann ich machen“. Dann wird aus dem Gedanken ganz schnell aber: „Heute ist es eigentlich schon egal, ich fang morgen wieder damit an.“ Aus morgen wird nächste Woche und plötzlich sind überall zerbrochene Fensterscheiben, die sich gegenseitig anziehen und anhäufen.

Das passiert uns immer wieder, egal ob wir weniger Süßes essen wollen, weniger rauchen oder weniger Alkohol trinken wollen.

Aber damit noch nicht genug. Der gleiche Prozess passiert sogar in unseren Gedanken.

  • Wie oft denkst du dir: „Dafür bin ich nicht gut genug…“ oder eine Version davon?
  • Wie oft denkst du dir, dass du mit deinem Aussehen, deinem eigenen Verhalten oder sonst irgendeinem Aspekt deiner Erscheinung nicht zufrieden bist?
  • Wie schnell kommen neue negative Gedanken dazu? Wie schnell bist du dabei, dir deine Zukunft so schlecht wie nur möglich auszumalen?

Das ist (leider) ein fast „normaler“ Prozess: zuerst schleichen sich kleine negative Gedanken gegen uns selbst ein. Nach zwei drei Gedankensprüngen denken wir bereits, wir hätten in unserem Leben so ganz und gar nichts erreicht und dabei wird es auch bleiben.

Dass das überhaupt nicht stimmt, ist uns in diesem Moment völlig egal. Unser Gehirn ist voller zerbrochener Fensterscheiben, die es selbst eingeschlagen hat und sieht nichts anderes mehr.

Ich bin kein Fan davon, alles mit positivem Denken lösen zu wollen. Man muss schon auch aktiv etwas TUN. Aber andauerndes negatives Denken hilft dir sicher nicht weiter. Versuche dir zumindest einmal bewusst zu machen, wenn du dir negative Gedanken machst. Sobald du feststellst, dass so ein Kreislauf entsteht, kannst du ihn auch aufhalten.

Fazit:

Wenn du etwas sauber halten willst, fange mit den Kleinigkeiten an. Die Kleinigkeiten spielen eine große Rolle. Egal ob in der Städte-Politik, im eigenen Haushalt oder im eigenen Kopf.

Mache dir bewusst, wie du über dich selbst denkst.

2 Antworten auf „Broken Windows Theorie“

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