Was stresst dich?

Wie dein Gehirn dich in drei Schritten in den Stress führt.

Stell dir eine Situation vor, in der du gestresst bist. Vielleicht sitzt du im Auto und du bist spät dran. Die anderen Verkehrsteilnehmer verhalten sich so, dass du es – vorsichtig ausgedrückt – nicht ganz nachvollziehen kannst. Das machen die doch absichtlich. Zusätzlich schalten alle Ampeln immer genau dann auf Rot, wenn du in ihre Nähe kommst. „Gibt’s ja gar nicht“, denkst du dir und voller Ärger hupst du den blöden Fußgänger an, der zwischen den stehenden Autos durch die Straße überquert.

Vielleicht verläuft deine Geschichte aber ganz anders. Stell dir vor, du bist zu Fuß unterwegs. Gerade bist du mit dem Zug am Bahnhof angekommen und musst noch ein paar Minuten nach Hause gehen. Du bist spät dran, weil dein Zug Verspätung hatte. Ausgerechnet heute. Du wolltest mit deiner Frau essen gehen. Hoffentlich geht sich das aus. Wenn du es genau bedenkst hat der Zug eigentlich eh immer Verspätung. In der Fußgängerzone ist die Hölle los. Woher haben die alle so viel Geld, um ständig einkaufen zu gehen? Du wirst zu spät kommen. Jetzt ist an der Kreuzung auch noch Rot. Schnell zwickst du dich zwischen zwei stehenden Autos durch. Da hupt dich dieser Depp einfach an. Wie kann er nur? Weiß er nicht, dass du ein schwaches Herz hast? Und kaum daran gedacht spürst du schon einen leichten Druck in der linken Brust. Du musst aber schnell weiter. Wer weiß, zum Schluss verlässt dich deine Frau noch, wenn du es wieder nicht rechtzeitig schaffst.

Natürlich sind beide Situationen stark überspitzt. Sie stellen unsere drei Hauptreaktionen im Umgang mit Stress dar:

1) Selektive Wahrnehmung und Generalisieren von negativen Aspekten

Die erste Reaktion auf stressige Erlebnisse, die unser Gehirn anwendet ist die selektive Wahrnehmung. Sobald uns der erste Stressfaktor begegnet, brennt sich das im Gehirn ein. Dieses geht in Alarmbereitschaft und sucht daraufhin nach noch mehr Stressfaktoren im Umfeld. Dadurch nehmen wir negative Aspekte in unserem Umfeld viel stärker wahr, als die positiven. Im Beispiel oben: Über rote Ampeln ärgern wir uns, diese fallen uns deshalb auf. Da wir uns aber über grüne Ampeln nicht im gleichen Ausmaß freuen, wie wir uns über rote ärgern, fallen uns diese auf der emotionalen Ebene viel weniger auf. Darüber hinaus kommt es zu einem Generalisieren dieser Aspekte. Unser Gehirn versucht nämlich im nächsten Schritt Gesetzmäßigkeiten im Umfeld zu erkennen. „Ampeln schalten IMMER dann auf Rot, wenn ich daher komme.“ Wir spielen uns da selbst einen Trick: Erst nehmen wir die negativen Aspekte stärker wahr, als die positiven und dann überzeugen wir uns selbst davon, dass das ein Naturgesetz sein muss.

2) Selektive Wahrnehmung und Überbewertung von negativen Folgen

„Meine Frau lässt sich scheiden, wenn ich schon wieder zu spät komme“. „Wenn ich nur an Herzinfarkt denke, habe ich schon ein seltsames Gefühl in der linken Brust“. Nach der selektiven Wahrnehmung negativer Aspekte geht unser Gehirn im nächsten Schritt dazu über an mögliche Konsequenzen dieser Aspekte zu denken. Hier haben wir vor negativen Folgen viel mehr Angst, als wir uns auf positive Folgen freuen. Das ist auch klar, wir haben uns in Schritt 1 ja schon dazu erzogen viel mehr negative Aspekte zu berücksichtigen. Unser Gehirn denkt also ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch über negative Konsequenzen nach. Dabei sind unserer Phantasie keine Grenzen gesetzt. Und je länger wir über diese negativen Folgen nachgrübeln, umso wahrscheinlicher und umso schlimmer erscheinen sie uns. Das hat mit der Architektur unseres Gehirns zu tun. Ein Gedanke – einmal gedacht – kommt uns beim nächsten Mal schon viel leichter in den Sinn. Jeder Gedanke, den wir öfter denken, der verstärkt sich und setzt sich fest. Bis wir absolut davon überzeugt sind, dass wir dazu verdammt sind, mit negativen Konsequenzen zu leben.

3) Einseitig personalisierende Wahrnehmung und Interpretation von Situationen

In der letzten Stufe versuchen wir dann unseren Hirngespinsten aus den beiden anderen Schritten einen Sinn zu geben. Wir überlegen und überlegen, warum uns das passiert. Und eigentlich kommen wir immer zum gleichen Schluss. All diese negativen Aspekte und negativen Folgen werden uns absichtlich in den Weg geworfen. Die Ampeln warten nur auf uns, um dann völlig selbständig und absichtlich auf Rot umzuspringen. Der Autofahrer könnte jeden anderen Fußgänger anhupen. Macht er aber nicht. Er hupt genau dich an – mit Absicht! So überzeugen wir uns selbst davon, dass das Leben unfair zu uns ist.

Unsere Handlungen finden immer in einem bestimmten Kontext statt. Aber auch unsere Gedanken entstehen nicht einfach so aus dem Nichts, sondern hängen immer mit Situationen zusammen, die wir erleben. Dadurch sind wir verleitet in Dinge, die uns zustoßen, etwas hinein zu interpretieren. Drei einfache Tipps und Tricks für erfolgreiche Stressbewältigung sind oben beschrieben. Du musst nur die Dinge in den drei beschriebenen Stufen genau andersherum machen.

  1. Schenke den grünen Ampeln mehr Aufmerksamkeit als den roten.
  2. Denke öfter an mögliche positive Konsequenzen.
  3. Nimm zufällige Dinge nicht persönlich.

Schon klar – Nicht immer ist es uns möglich, sich in den anderen direkt hinein zu versetzen oder eine Situation vollkommen objektiv zu bewerten. Immer aber sollte es uns möglich sein, einen Moment lang tief durchzuatmen und sich zu fragen: „Reagiere ich jetzt gerade objektiv auf die aktuelle Situation oder schleppe ich Stress mit mir herum?“

Und nicht vergessen: Jeder hat das Recht auf seinen eigenen Stress.

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